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Automatikgetriebe: Wandler-Automatik verstehen und instand setzen
Mercedes 7G-Tronic und 9G-Tronic, BMW und Audi mit ZF 6HP und 8HP, Aisin-Automaten in Volvo, Ford, Opel und PSA: Diese Seite erklärt, wie ein Wandler-Automat arbeitet, welche Schäden ihn typischerweise treffen und was sich davon instand setzen lässt – bevor über ein Austauschgetriebe gesprochen wird.
Wie ein Wandler-Automatikgetriebe arbeitet
Der Wandler-Automat ist die klassische Bauform des Automatikgetriebes und unterscheidet sich von allen anderen durch ein einziges Bauteil: den hydrodynamischen Drehmomentwandler. Er ersetzt die Anfahrkupplung. Ein Pumpenrad an der Kurbelwelle schleudert Öl nach außen, ein gegenüberliegendes Turbinenrad nimmt diesen Ölstrom auf und treibt die Getriebeeingangswelle an, und ein dazwischenliegendes Leitrad lenkt das zurückströmende Öl so um, dass im Anfahrbereich sogar mehr Drehmoment ankommt, als der Motor abgibt. Motor und Getriebe berühren sich dabei nicht – die Kraft geht ausschließlich über Öl.
Daraus folgt das vertraute Fahrgefühl: Das Fahrzeug kriecht mit eingelegter Fahrstufe von selbst an, das Anfahren ist weich, und die Drehzahl zieht beim Beschleunigen ein Stück vor dem Vortrieb an. Der Nachteil dieser Eleganz ist der Schlupf. Deshalb sitzt im Wandler zusätzlich eine Reibkupplung, die Motor und Getriebe ab einer gewissen Geschwindigkeit starr verbindet: die Wandlerüberbrückung. In modernen Getrieben schließt sie sehr früh und bleibt sehr lange geschlossen – das senkt den Verbrauch und macht sie zugleich zu einem der am stärksten beanspruchten Bauteile im ganzen Getriebe.
Hinter dem Wandler folgen die Planetenradsätze. Anders als beim Schaltgetriebe wird kein Zahnrad verschoben; die Übersetzung entsteht, indem einzelne Elemente der Planetensätze über Lamellenkupplungen und Bremsen festgehalten oder mitgenommen werden. Ein Gangwechsel ist damit nichts anderes als ein sauber abgestimmtes Öffnen der einen und Schließen der anderen Kupplung – eine Überschneidungsschaltung. Weil das ohne Zugkraftunterbrechung geschieht, sind Wandler-Automaten im Fahrbetrieb so unauffällig, solange alles stimmt.
Gesteuert wird das Ganze hydraulisch. Eine Ölpumpe erzeugt den Leitungsdruck, der Schieberkasten – auch Ventilkörper oder Mechatronik genannt – verteilt ihn über Regelventile und elektrisch angesteuerte Solenoide auf die einzelnen Kupplungen. Das Getriebesteuergerät bestimmt dabei nicht nur, welcher Gang eingelegt wird, sondern auch, wie lange eine Kupplung gefüllt und mit welchem Druck sie geschlossen wird. Diese Feinabstimmung ist der Grund, warum Öl, Hydraulik und Elektronik bei dieser Bauart untrennbar zusammenhängen.
Die Wandlerüberbrückung: das am stärksten beanspruchte Bauteil
Kaum ein Symptom führt Fahrer so zuverlässig in die Werkstatt wie ein feines Rubbeln bei gleichmäßiger Fahrt – meist zwischen 60 und 100 km/h, oft im höchsten oder vorletzten Gang, häufig bei leichter Last. Dahinter steckt fast immer die Wandlerüberbrückung. Sie soll in diesem Bereich schließen, hält aber nicht mehr sauber durch, und der verbleibende Mikroschlupf überträgt sich als Vibration auf den Antriebsstrang.
Die Ursachen liegen auf drei Ebenen, die sich in der Diagnose trennen lassen. Erstens das Öl: Die Reibcharakteristik des Automatikgetriebeöls ist genau auf diese Kupplung abgestimmt, und mit zunehmender Alterung verschiebt sie sich. Zweitens die Regelung: Ein verschlissenes Regelventil im Schieberkasten stellt den Anpressdruck nicht mehr präzise. Drittens die Kupplung selbst: Ist der Belag abgetragen, hilft weder frisches Öl noch ein neues Ventil, und der Wandler wird zur Baugruppe der Entscheidung.
Die gute Nachricht ist, dass sich die drei Fälle unterscheiden lassen, bevor etwas ausgebaut wird. Die Steuerung führt den Schlupf der Überbrückungskupplung als eigenen Live-Wert und meldet ihn oft als Fehler, lange bevor der Fahrer ihn deutlich spürt. Dazu kommt der Ölbefund: Belagabrieb aus der Überbrückung färbt das Öl charakteristisch ein und schlägt sich auf dem Magnetsumpf nieder. Wer dieses Symptom früh abklären lässt, hat es in vielen Fällen noch mit einem Öl- und Ventilthema zu tun. Vertiefend dazu: Wandlerüberbrückung: Schlupf und Rupfen richtig deuten und Fehlercode P0730 – Gangübersetzung unplausibel.
Getriebefamilien und ihre bekannten Schwerpunkte
Wandler-Automaten kommen von wenigen Herstellern und werden markenübergreifend verbaut. Das ist für Sie ein Vorteil: Die Schadensbilder einer Familie wiederholen sich quer über die Fahrzeugmarken, und wer die Familie kennt, kommt schneller zum Befund.
Getriebefamilie
Gänge
Typische Fahrzeuge
Bekannter Schwerpunkt
ZF 6HP (6HP19/21/26/28)
6
BMW 3er/5er/X3/X5 ab 2001, Audi längs, Jaguar, Range Rover
Ölverlust an der Mechatronik-Durchführung, Ventilkörper, Wandlerüberbrückung
ZF 8HP (8HP45/8HP70 und Varianten)
8
BMW ab 2009, Audi längs, VW Touareg, Jeep, Chrysler
Öl-Alterung durch frühe Wandlerüberbrückung, Schaltdruck-Adaption
Mercedes 722.6 (NAG1)
5
W203, W210, W211, W463, Sprinter und viele Baureihen der 1990er und 2000er
Leiterplatte im Schaltschieberkasten, Drehzahlsensorik, Wandlerüberbrückung
Mercedes 722.9 (7G-Tronic)
7
W204, W211, W212, W221, Vito, ML und GL
Steuergerät und Leiterplatte, Ölverlust am Adapter, Schaltschieberkasten
Mercedes 725.0 (9G-Tronic)
9
W205, W213, W222, GLC, GLE ab 2013
Wandlerüberbrückung im niedrigen Drehzahlbereich, Öl-Zustand
Aisin quer (TF-80SC, TG-81SC, AWF8F35)
6 bis 8
Volvo, Ford, Opel, Peugeot, Citroën, Mazda, Mini
Ventilkörper und Solenoide, Öl-Intervall im Stadtbetrieb
Aisin längs (Toyota und Lexus)
6 bis 8
Toyota Hilux und Land Cruiser, Lexus Heckantrieb
Robuste Bauart, empfindlich gegen überzogene Öl-Intervalle
Getriebeöl nach Herstellerfreigabe, ermittelt per FIN-Abfrage: ZF Lifeguard für die ZF-Familien, die passende Mercedes-Spezifikation für 722er und 725er, herstellereigenes Fluid bei Aisin. Filter inklusive, Niveau temperaturgeführt eingestellt.
Adaptionswerte zurücksetzen
Nach Ölservice, Filter- oder Steuergeräte-Tausch: Füllzeit- und Schaltdruck-Adaption per Herstellerdiagnose zurücksetzen. Einlernfahrt mit Dokumentation der Lernwerte vorher und nachher.
Getriebesteuergerät-Diagnose
Steuergerät vollständig auslesen: Schalt-Kennfelder, Öltemperatur-Protokolle, Schaltventil-Protokolle, Schlupfwerte der Überbrückung, Notprogramm-Analyse.
Steuergerät instand setzen oder tauschen
Elektronikschäden auf der Leiterplatte gezielt beheben. Wo der Tausch nötig ist: geprüftes Gerät auf Fahrzeug-VIN codieren, mit den Original-Diagnosesystemen für Mercedes, BMW und die VW-Gruppe.
Wandler und Überbrückung prüfen
Schlupfwerte der Wandlerüberbrückung im Fahrbetrieb erfassen, Rubbeln zwischen 60 und 100 km/h nachstellen, Ölzustand und Magnetsumpf als Gegenprobe auswerten.
Ventilkörper und Hydraulik
Schaltventile, Druckregelventile und Solenoide diagnostizieren, Bohrungszustand bewerten, Schieberkasten instand setzen. Ruckeln, Schaltpausen und Notprogramm haben häufig hydraulische Ursachen.
Ölverlust und Dichtungen
Adapterdichtung der Steuergeräte-Durchführung, Ölwannendichtung und Wellendichtringe. Früh erkannt bleibt es eine Dichtung, spät erkannt wird daraus ein Ölmangelschaden.
Bundesweit einsenden
Getriebesteuergerät oder Schieberkasten ausgebaut einschicken: Befund, Instandsetzung nach Ihrer Freigabe, Rückversand mit Befundbericht und Garantie.
Schadensbilder der Wandler-Automatik nach Häufigkeit
Die Reihenfolge entspricht dem, was uns tatsächlich begegnet. Sie ersetzt keine Diagnose, hilft aber beim Einordnen: Je weiter oben ein Punkt steht, desto wahrscheinlicher ist er die Ursache Ihres Symptoms – und desto größer die Chance, dass eine gezielte Instandsetzung genügt.
#
Symptom
Wahrscheinliche Ursache
Instandsetzbar?
1
Rubbeln oder feines Vibrieren bei gleichmäßiger Fahrt zwischen etwa 60 und 100 km/h
Wandlerüberbrückungskupplung mit Schlupf, Belagabrieb, Regelgüte des zugehörigen Ventils
Ja – Öl, Ventil, im Verlauf Wandler
2
Harte Schaltschläge oder auffällig lange Schaltpausen unter Last
Schaltdruck- und Füllzeit-Adaption am Rand ihres Bereichs, gealtertes Öl, Druckregelventile
Ja – Ölservice und Adaption, ggf. Ventilkörper
3
Verzögertes Einlegen von D oder R nach dem Kaltstart, spürbarer Ruck beim Einrücken
Druckaufbau verzögert: Bohrungsverschleiß im Ventilkörper, Rückschlagventile, Ölpumpe
Ja – Ventilkörper-Instandsetzung
4
Ölfeuchte oder Tropfen am Getriebe, Ölgeruch nach längerer Fahrt
Adapterdichtung an der Steuergeräte-Durchführung, Ölwanne, Wellendichtringe
Ja – Dichtung und Ölservice
5
Drehzahl steigt beim Beschleunigen, Vortrieb bleibt zurück
Schieberkasten mit verschlissenen Regelventilen und Solenoiden, solange die Bohrungen tragen
Drehzahl- und Temperatursensorik sowie die Kontaktierung im Getriebe
Leiterplatte und Elektronik im Getriebesteuergerät, inklusive Codierung auf die Fahrzeug-Identifikationsnummer
Adapterdichtung der Steuergeräte-Durchführung und weitere Leckagestellen
Ölbedingte Symptome, solange Beläge und Lamellen im Toleranzbereich liegen
Drehmomentwandler als Baugruppe, einschließlich Überbrückungskupplung
Ölpumpe und Ölkühlerkreislauf
Grenzfall oder komplette Instandsetzung
Ventilkörper mit ausgeschlagenen Bohrungen, bei denen neue Ventile keine Regelgüte mehr herstellen
Lamellenpakete, die bereits mit Späneeintrag den gesamten Ölkreislauf belastet haben
Planetensätze mit Verzahnungs- oder Lagerschaden
Getriebe nach Ölmangel oder Überhitzung mit verkoktem Öl
Getriebe mit unklarer Vorgeschichte, in denen bereits ohne Befund Teile getauscht wurden
Wenn sich eine Instandsetzung nicht mehr trägt, sagen wir Ihnen das, bevor Kosten entstehen. Wovon der Aufwand je nach Befund abhängt – Wandler, Lamellen, Ventilkörper oder Lagerschaden –, steht unter Getriebeschaden: was die Reparatur kostet.
Öl und Adaption beim Wandler-Automaten
Automatikgetriebeöl ist bei dieser Bauart gleich vier Dinge auf einmal: Kraftübertragungsmedium im Wandler, Steuermedium im Schieberkasten, Reibpartner an Lamellen und Überbrückungskupplung sowie Schmier- und Kühlmittel. Kein anderes Betriebsmittel im Fahrzeug trägt so viele Funktionen gleichzeitig. Entsprechend deutlich schlägt seine Alterung durch: Verschiebt sich die Reibcharakteristik, verändert sich das Schaltgefühl, noch bevor irgendein Bauteil verschlissen ist.
Die Steuerung fängt diese Drift zunächst auf. Sie lernt für jede einzelne Schaltung, wie lange eine Kupplung gefüllt werden muss und mit welchem Druck sie greifen soll – das sind die Füllzeit- und Schaltdruck-Adaptionen. Diese Werte sind der beste Frühindikator, den wir haben: Sie zeigen den Zustand des Systems, lange bevor der Fahrer etwas merkt, und sie zeigen nach einem Service, ob die Maßnahme wirklich gegriffen hat. Wichtig ist die Abgrenzung zum Doppelkupplungsgetriebe: Dort wird der Eingriffspunkt der Anfahrkupplungen gelernt, hier die Füllcharakteristik der Schaltelemente. Die Prozeduren sind nicht austauschbar.
Wie der Ölaustausch technisch abläuft, warum einfaches Ablassen einen erheblichen Altölanteil im Wandler und in den Kanälen belässt und welche Richtwerte je Getriebefamilie gelten, haben wir einmal ausführlich zusammengestellt, statt es auf jeder Bauartseite zu wiederholen: Getriebeölspülung für DSG und Automatik. Verbindlich bleibt die tagesaktuelle Herstellervorgabe für Ihr konkretes Fahrzeug, die wir per FIN-Abfrage beziehungsweise über das digitale Serviceheft prüfen.
Automatik-Service Pakete
Getriebeöl nach Herstellervorgabe, inklusive Adaption-Reset.
Diagnose-Check
Fehlerspeicher auslesen (alle Steuergeräte)
Systemübersicht aller verbauten Steuergeräte
Schriftlicher Befund mit Handlungsempfehlung
Empfohlen
Diagnose-Plus
Alles aus Diagnose-Check
Live-Daten & Aktoren-Test
Adaptionswerte auslesen & bewerten
Detaillierte Handlungsempfehlung
Komplett-Diagnose
Alles aus Diagnose-Plus
Codierung & Programmierung (wenn nötig)
Probefahrt zur Verifikation
Vollständige Dokumentation
Individueller Festpreis nach Fahrzeugprüfung
Wir nennen präzise Reparaturpreise erst nach einer persönlichen Diagnose an Ihrem Fahrzeug. So stellen wir sicher, dass alle Arbeiten individuell auf den Zustand Ihres Fahrzeugs abgestimmt werden – für einen verlässlichen Kostenvoranschlag, den wir vor Arbeitsbeginn verbindlich mit Ihnen besprechen.
Getriebesteuergerät ausgefallen – Fahrzeug fährt nur im Notprogramm Gang 3. Fehlercode EGS-Steuergerät nicht erreichbar.
Lösung
EGS-Steuergerät diagnostiziert und getauscht (geprüftes Gerät), per Original Mercedes Diagnosesystem auf Fahrzeug-VIN codiert, Getriebeadaptionen zurückgesetzt und Einlernfahrt dokumentiert.
Ergebnis
Alle 7 Gänge funktionieren korrekt. Adaptionsfahrt ohne Fehlerpfad abgeschlossen.
ZF 8HP Ölwechsel
BMW 530d F10 ZF 8HP (2013)
Problem
Ruckeln beim Anfahren, verzögertes Einlegen D nach Kaltstart. Herstellerdiagnose zeigt erhöhte Adaptionswerte im Schaltventil-Block.
Weiches Anfahren, keine Verzögerungen. Adaptionswerte nach Einlernfahrt normalisiert.
ZF 6HP Adapterdichtung
BMW 320d E90 ZF 6HP (2009)
Problem
Ölfeuchte am Getriebe, Ölspur bis in den Kabelbaum. Schaltverhalten noch unauffällig, Ölstand bereits an der unteren Grenze.
Lösung
Adapterdichtung an der Steuergeräte-Durchführung erneuert, Kabelbaum und Kontaktierung geprüft und gereinigt, Ölservice mit Filter, Niveau temperaturgeführt eingestellt, Adaption zurückgesetzt.
Ergebnis
Getriebe trocken, Kontaktierung ohne Übergangswiderstand. Instandsetzung vor dem Folgeschaden statt Austauschgetriebe danach.
Ist es wirklich ein Wandler-Automat? Bauarten unterscheiden
Viele Getriebe-Symptome klingen quer über die Bauarten ähnlich, haben aber grundverschiedene Ursachen. Diese Übersicht hilft beim Einordnen – und führt Sie direkt zur passenden Seite, wenn Ihr Fahrzeug ein anderes Getriebe hat.
Bauart
Woran Sie sie im Fahrbetrieb erkennen
Vertiefung
Wandler-Automatik
Kriecht im Stand mit eingelegter Fahrstufe von selbst an, sehr weiches Anfahren, Drehzahl zieht beim Beschleunigen leicht vor
Diese Seite
Doppelkupplung (DSG, S-tronic, PDK, DCT)
Sehr kurze, spürbar mechanische Gangwechsel, kaum Kriechneigung, im Stand hörbares Vorwählen des nächsten Gangs
Schlupf ist ein ernstes Symptom, aber kein Todesurteil. Häufig steckt Leitungsdruckverlust durch gealtertes Öl oder ein verschlissener Drehmomentwandler dahinter – beides klar eingrenzbar, ohne das Getriebe zu öffnen. Wir stellen per Herstellerdiagnose einen Befund aus Live-Drücken, Schlupfwerten und Ölzustand, bevor über irgendein Bauteil entschieden wird. Erst dieser Befund unterscheidet zwischen Ölservice, Ventilkörper und mechanischer Instandsetzung.
Das sicherste Alltagsmerkmal ist das Kriechen: Legen Sie im Stand eine Fahrstufe ein und nehmen den Fuß von der Bremse, rollt das Fahrzeug ohne Gaspedal von selbst an. Das kommt vom hydrodynamischen Wandler, der Motor und Getriebe über Öl statt über Reibbeläge verbindet. Zweites Merkmal ist das Anfahrverhalten: Die Drehzahl steigt beim Beschleunigen ein Stück vor dem Vortrieb an, weil im Wandler bewusst Schlupf zugelassen ist. Verbindlich klären wir die Bauart über die Fahrzeug-Identifikationsnummer und den Getriebecode.
Der Drehmomentwandler ist eine ölgefüllte Kupplung ohne mechanischen Kontakt: Ein Pumpenrad an der Kurbelwelle schleudert Öl gegen ein Turbinenrad an der Getriebeeingangswelle, ein Leitrad lenkt den Ölstrom um und erhöht dabei im Anfahrbereich das Drehmoment. Weil diese Übertragung immer etwas Schlupf hat, kostet sie Wirkungsgrad. Deshalb sitzt im Wandler zusätzlich eine Reibkupplung, die Motor und Getriebe ab einer gewissen Geschwindigkeit starr verbindet – die Wandlerüberbrückung. Sie ist im modernen Automatikgetriebe eines der am stärksten beanspruchten Bauteile.
Ein feines Rubbeln oder Vibrieren in diesem Geschwindigkeitsfenster ist das klassische Bild einer schlupfenden Wandlerüberbrückung. Sie soll in diesem Bereich schließen, hält aber nicht mehr sauber – entweder weil der Belag verschlissen ist, weil das Öl seine Reibeigenschaften verloren hat oder weil das zugehörige Regelventil nicht mehr präzise arbeitet. Die Steuerung meldet diesen Zustand häufig als Schlupffehler, bevor der Fahrer ihn deutlich spürt. Genau deshalb lohnt es sich, das Symptom früh auslesen zu lassen: In diesem Stadium ist es oft noch ein Öl- und Ventilthema.
Die Werksangabe bezieht sich auf eine typische Haltedauer des Fahrzeugs, nicht auf die technische Grenze des Öls. In der Praxis altert Automatikgetriebeöl durch Wärme, Scherung und Abrieb messbar, und die Steuerung gleicht das über die Adaption aus, bis der Regelbereich erschöpft ist. Aus unserer Erfahrung ist bei den gängigen Wandler-Familien im Bereich hoher Laufleistungen ein Ölservice die wirksamste Vorsorge. Verbindlich ist die tagesaktuelle Herstellervorgabe für Ihr konkretes Fahrzeug, die wir per FIN-Abfrage prüfen; die praxisnahen Richtwerte je Familie finden Sie auf der Seite zur Getriebeölspülung.
Der Notlauf ist eine Schutzfunktion: Das Steuergerät begrenzt Drehmoment oder hält einen festen Gang, um Lamellen und Hydraulik vor Folgeschäden zu bewahren. Er sagt, dass etwas nicht stimmt – nicht was. Die Ursachen reichen von einem Drehzahlsensor über ein Solenoid bis zur Leiterplatte im Schieberkasten, mit sehr unterschiedlichen Konsequenzen. Warum der Notlauf ein Symptom und keine Diagnose ist und wie wir ihn auflösen, beschreiben wir auf der Seite zur Getriebe-Diagnose.
Kurzfristig ist der Notlauf genau dafür gemacht: Er soll Ihnen erlauben, das Fahrzeug aus dem Verkehr und in eine Werkstatt zu bewegen. Dauerhaft ist er keine Betriebsart, weil die Ursache in der Zwischenzeit weiterarbeitet und aus einem Sensorfehler ein mechanischer Schaden werden kann. Vermeiden Sie hohe Lasten, Anhängerbetrieb und lange Autobahnetappen. Tritt zusätzlich Ölgeruch, Schlupf oder ein metallisches Geräusch auf, sollte das Fahrzeug nicht mehr aus eigener Kraft bewegt werden.
Beim Wandler-Automaten lernt die Steuerung für jede einzelne Schaltung, wie lange eine Kupplung gefüllt werden muss und mit welchem Druck sie greifen soll, damit der Gangwechsel weich und trotzdem kurz ausfällt. Diese Füllzeit- und Schaltdruckwerte verschieben sich mit dem Ölzustand und dem Belagverschleiß. Ein Doppelkupplungsgetriebe lernt dagegen den Eingriffspunkt seiner beiden Anfahrkupplungen – ein anderer Kennwert mit anderer Bedeutung. Deshalb sind die Prozeduren nicht austauschbar, und deshalb gehört nach jedem Ölservice die zum Getriebe passende Einlernroutine dazu.
Das entscheidet der Bohrungszustand. Sind lediglich Regelventile und Solenoide verschlissen, lässt sich der Schieberkasten mit passenden Ventilen und gereinigten Kanälen instand setzen und arbeitet danach wieder in der geforderten Regelgüte. Sind dagegen die Bohrungen im Gehäuse selbst ausgeschlagen, stellt auch ein neues Ventil keinen dichten Steuerspalt mehr her – dann ist der Tausch der Baugruppe die ehrliche Empfehlung. Diese Unterscheidung treffen wir am ausgebauten Bauteil und teilen sie Ihnen vor der Reparaturentscheidung mit.
Es ist ein ernst zu nehmendes Frühwarnzeichen. Die Verzögerung entsteht, weil der Steuerdruck nach dem Stillstand zu langsam aufgebaut wird – typischerweise durch Bohrungsverschleiß im Ventilkörper, durch undichte Rückschlagventile oder durch eine nachlassende Ölpumpe. Solange das Getriebe danach normal arbeitet, ist der Schaden meist noch auf die Hydraulik begrenzt. Wird das Einrücken zusätzlich hart, geht damit jedes Mal ein Schlag durch den Antriebsstrang – dann sollte die Ursache zügig geklärt werden.
Bei den ZF-6HP-Getrieben ist genau das ein bekanntes und gut beherrschbares Schadensbild: Die Durchführung, über die das Steuergerät nach außen kontaktiert wird, wird undicht, und das Öl wandert bis in den Kabelbaum. Ist der Ölverlust früh erkannt, genügt die Erneuerung der Dichtung samt Ölservice. Wurde lange weitergefahren, kann Öl im Steckerbereich Kontaktprobleme verursacht haben – dann gehört die Kontaktierung mit geprüft. Der Ölstand ist in dieser Zeit ohnehin zu kontrollieren, weil Ölmangel bei dieser Bauart schnell zu Folgeschäden führt.
Nein – das ist die Ausnahme. Wandler, Ventilkörper, Steuergerät, Ölpumpe und Lamellenpakete sind klar abgegrenzte Baugruppen, die sich gezielt instand setzen oder einzeln tauschen lassen. Wir setzen instand, was instandzusetzen ist, und tauschen nur, was nachweislich verschlissen ist. Nur bei Verzahnungs- und Lagerschäden mit großflächigem Späneeintrag ist die Instandsetzung des kompletten Getriebes der ehrliche Weg – und auch das sagen wir Ihnen vorher.
Ja, und sie ist dafür sogar besonders gut geeignet, weil der Wandler das Anfahrmoment erhöht und Lastspitzen dämpft. Der Preis dafür ist Wärme: Im Wandler wird beim Anfahren mit Last Energie in Wärme umgesetzt, und Wärme ist der wichtigste Alterungstreiber für das Öl. Wer regelmäßig zieht, sollte das Öl-Intervall am unteren Ende der Herstellervorgabe halten und auf einen funktionsfähigen Getriebeölkühler achten. Die ausgelesenen Öltemperatur-Protokolle zeigen früh, ob das Lastprofil das Getriebe wirklich fordert.
Ja, bundesweit über unseren Einsende-Service: Diagnose, schriftlicher Befund mit Kostenrahmen, Instandsetzung erst nach Ihrer Freigabe – mit 12 Monaten Garantie auf instandgesetzte Bauteile nach Maßgabe unserer Garantiebedingungen. Der Einsende-Weg ist Werkbank-Arbeit und deshalb von unserer Werkstatt-Auslastung nicht betroffen. Ablauf und Versandhinweise finden Sie unter getriebe.biz/einsenden/; das abschließende Anlernen am Fahrzeug übernimmt Ihre Werkstatt vor Ort.
Automatik-Problem anfragen
Fahrzeug, Getriebetyp und Symptome kurz beschreiben – wir nennen Ihnen Ursache, Aufwand und Kostenrahmen vorab, bevor etwas ausgebaut wird.
Unser bundesweiter Einsende-Service läuft weiter. Schicken Sie uns Ihr Steuergerät ein – wir prüfen es, nennen Ihnen vorab einen verbindlichen Festpreis und melden uns mit dem Befund.Zum Einsende-Formular →